Montessori-Reiten für Kinder – was Eltern wissen sollten

Montessori Reiten für Kinder – was Eltern darüber wissen sollten

Warum Montessori-Reiten für Kinder Vertrauen schafft

Vielleicht hast du schon mal gesehen, dass Reitangebote für Kinder mit pädagogischen Begriffen beworben werden – zum Beispiel mit „Montessori-Reiten für Kinder“, „bedürfnisorientiert“, „spielerisch lernen“ oder „freie Entfaltung“.

Und ganz ehrlich: Das klingt erst mal richtig gut.
Denn als Eltern willst du ja genau das: ein Angebot, in dem dein Kind gesehen wird, in dem es in seinem Tempo lernen darf – und in dem es sicher ist.

Dieser Artikel soll dir dabei helfen, ein kleines Stück klarer zu sehen.

Nicht, weil „Montessori“ automatisch schlecht wäre (im Gegenteil: der Ansatz hat viele wertvolle Ideen).
Sondern weil es einen wichtigen Unterschied gibt, den man im Kontext „Pferd“ kennen sollte:

Ein Pferd ist kein Lernmaterial.
Es ist ein Lebewesen – groß, sensibel, manchmal schreckhaft – und es reagiert auf das, was um es herum passiert.

Das bedeutet: Manche Dinge, die in anderen Lernumgebungen wunderbar funktionieren, brauchen beim Pferd andere Grenzen und mehr erwachsene Führung – nicht, um Kinder klein zu machen, sondern um Kinder und Pferde zu schützen.

Wenn du nach diesem Artikel nur eine Sache mitnimmst, dann diese:

Schöne Begriffe sind nett – aber entscheidend ist, wie ein Angebot in der Praxis umgesetzt wird.

Und genau darum geht’s jetzt.

Warum Begriffe wie „Montessori“ Vertrauen schaffen

Begriffe wie „Montessori“ lösen bei vielen Eltern sofort ein gutes Gefühl aus. Und das hat einen Grund.

Montessori steht – ganz vereinfacht gesagt – für:

  • Respekt vor dem Kind

  • Lernen ohne Druck

  • Selbstständigkeit statt ständiger Anleitung

  • Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes

Viele Eltern verbinden damit Erfahrungen aus Kindergarten oder Schule – oder zumindest das Gefühl:

„Das ist pädagogisch durchdacht. Da wird mein Kind ernst genommen.“

Und dieses Gefühl ist erst einmal völlig berechtigt, denn Montessori-Pädagogik funktioniert dort besonders gut, wo:

  • Kinder mit überschaubaren Materialien arbeiten

  • Fehler keine gefährlichen Folgen haben

  • die Umgebung klar vorbereitet ist

  • Erwachsene im Hintergrund begleiten

In solchen Rahmenbedingungen kann „selbst ausprobieren“ sehr wertvoll sein. Kinder lernen, sich zu konzentrieren, Zusammenhänge zu verstehen und Vertrauen in sich selbst zu entwickeln.

Genau deshalb wirkt der Begriff „Montessori“ im Zusammenhang mit Reitangeboten für Kinder auf viele Eltern beruhigend. Er suggeriert:

Hier geht es nicht um Drill oder Leistung, sondern um das Kind.

Und das ist ein wichtiger Punkt – denn niemand möchte sein Kind in einem Umfeld wissen, das überfordert oder Druck ausübt.

Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen:
Ein pädagogischer Begriff beschreibt noch nicht, wie ein Angebot konkret umgesetzt wird. Und vor allem sagt er nichts darüber aus, wie mit besonderen Situationen umgegangen wird, in denen Sicherheit, Erfahrung und klare Verantwortung gefragt sind.

Genau hier lohnt sich ein genauer Blick.

Ein kurzer Hinweis zu „Montessori“

Montessori ist kein beliebiger Modebegriff, sondern eine pädagogische Richtung mit klaren Grundgedanken und Qualitätskriterien.
In Deutschland gibt es dafür einen offiziellen Qualitätsrahmen, der beschreibt, in welchen pädagogischen Kontexten Montessori angewendet wird und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein sollten.

Wer sich dafür interessiert, wie Montessori-Pädagogik fachlich verstanden wird, findet auf der Seite von Montessori Deutschland eine sachliche und transparente Einordnung.

Für Eltern ist dabei vor allem wichtig zu wissen:
Der Begriff allein sagt noch nichts darüber aus, wie ein Angebot konkret umgesetzt wird – und ob es zum jeweiligen Setting passt.

Der entscheidende Unterschied – ein Pferd ist kein Lernmaterial

In vielen pädagogischen Konzepten – auch in der Montessori-Pädagogik – wird mit Materialien gearbeitet. Mit Dingen, die genau dafür gedacht sind, ausprobiert, sortiert, getragen oder auch mal „falsch“ benutzt zu werden.

Und genau hier liegt ein wichtiger Unterschied, den man im Zusammenhang mit Reitangeboten kennen sollte:

Ein Pferd ist kein Material.
Es ist ein Lebewesen.

Ein Pferd:

  • ist groß und kräftig

  • ist sensibel für Stimmung, Bewegung und Lautstärke

  • reagiert auf Unsicherheit

  • handelt aus Instinkt – nicht aus pädagogischem Verständnis

Das bedeutet: Ein Pferd reagiert nicht neutral auf Fehler oder Unsicherheit.
Es kann sich erschrecken, ausweichen, stehen bleiben, schneller werden oder innerlich „zumachen“.

Während ein Kind beim Umfüllen von Wasser einfach noch einmal probieren kann, hat ein Missverständnis beim Pferd echte Auswirkungen – auf das Tier und auf das Kind.

Deshalb gelten im Umgang mit Pferden andere Regeln als im Klassenraum oder im Bastelzimmer:

  • Erwachsene müssen Situationen voraussehen

  • Grenzen müssen klar sein

  • Verantwortung darf nicht „ausprobiert“ werden

Das heißt nicht, dass Kinder beim Reiten nichts selbst tun dürfen. Im Gegenteil: Kinder können unglaublich viel lernen – über Vertrauen, Achtsamkeit, Körpersprache und Beziehung.

Aber dieses Lernen braucht einen sicheren Rahmen, in dem Erwachsene führen, schützen und rechtzeitig eingreifen.

Nicht, weil Kinder etwas „nicht dürfen“.
Sondern weil ein Pferd darauf angewiesen ist, dass Menschen Verantwortung übernehmen.

Warum „einfach ausprobieren lassen“ beim Pferd problematisch sein kann

In vielen Lernbereichen ist es sinnvoll und wichtig, dass Kinder Dinge selbst ausprobieren dürfen. Sie dürfen Fehler machen, daraus lernen und es beim nächsten Mal anders versuchen. Genau so entsteht Selbstvertrauen.

Beim Umgang mit einem Pferd stößt dieses Prinzip jedoch an natürliche Grenzen. Denn ein Pferd kann nicht unterscheiden, ob ein Kind gerade „lernt“, unsicher ist oder etwas ausprobiert. Es reagiert einfach auf das, was es wahrnimmt.

Ein zögernder Schritt, eine unklare Bewegung oder widersprüchliche Signale können dazu führen, dass das Pferd:

  • stehen bleibt

  • ausweicht

  • schneller wird

  • sich erschreckt

  • innerlich unsicher wird

Das ist kein „Fehler des Kindes“ – sondern eine ganz normale Reaktion eines sensiblen Fluchttiers.

Deshalb ist es beim Umgang mit Pferden nicht hilfreich, Kinder einfach „machen zu lassen“, um zu sehen, was passiert. Was im Bastelraum harmlos ist, kann hier schnell überfordernd werden – für das Kind und für das Pferd.

Genau hier spielt auch die Dauer eine wichtige Rolle.
Viele Eltern unterschätzen, wie anstrengend Reiten für Kinder ist – körperlich, emotional und in der Konzentration.
Warum kürzere Reitzeiten oft sinnvoller sind und woran du erkennst, was für dein Kind wirklich passt, habe ich hier ausführlicher erklärt:

Wie lange Reiten für Kinder sinnvoll ist – und warum weniger oft mehr ist

Gutes Reitenlernen bedeutet deshalb:

  • Kinder werden angeleitet, bevor etwas unsicher wird

  • Erwachsene greifen ein, bevor Situationen kippen

  • Lernen findet geführt, nicht ungesteuert statt

Das hat nichts mit Kontrolle zu tun, sondern mit Verantwortung.

Kinder fühlen sich übrigens meist sicherer, wenn Erwachsene klar führen. Sie müssen dann nicht selbst einschätzen, was gefährlich sein könnte – sondern dürfen sich auf das konzentrieren, was sie lernen und erleben sollen.

Und genau das schafft die Grundlage dafür, dass Reiten für Kinder eine positive, stärkende Erfahrung wird – statt eine, die sie überfordert oder verunsichert.

Warum erwachsene Führung kein Widerspruch zu kindgerechtem Lernen ist

Manchmal entsteht der Eindruck, dass es beim Lernen mit Kindern nur zwei Möglichkeiten gibt:
Entweder Kinder dürfen alles selbst entscheiden – oder Erwachsene kontrollieren und bestimmen.

Im Umgang mit Pferden greift dieses Schwarz-Weiß-Denken jedoch zu kurz.

Denn klare erwachsene Führung bedeutet nicht, dass Kinder bevormundet werden. Sie bedeutet, dass Erwachsene Verantwortung übernehmen – für Situationen, die Kinder noch nicht einschätzen können.

Ein Pferd ist groß, schnell und reagiert sensibel auf kleinste Signale. Kinder können diese Zusammenhänge erst mit der Zeit verstehen. Deshalb brauchen sie Erwachsene, die:

  • vorausschauend handeln

  • Situationen einschätzen

  • rechtzeitig Grenzen setzen

  • Sicherheit herstellen

Gerade diese klare Führung schafft für Kinder einen Rahmen, in dem sie sich entspannen können.

Wie ein solcher sicherer, kindgerechter Rahmen in der Praxis aussehen kann, zeigen wir zum Beispiel in unserer täglichen Arbeit auf der Naturalkids® Ranch – mit klaren Abläufen, festen Bezugspersonen und viel Raum für Beziehung statt Druck.

Wenn Kinder wissen:

  • Hier passt jemand auf mich auf

  • Ich muss nicht alles allein richtig machen

  • Ich darf fragen, ausprobieren und lernen, ohne Angst zu haben

dann entsteht echtes, kindgerechtes Lernen.

Innerhalb dieses sicheren Rahmens können Kinder sehr wohl:

  • mitentscheiden

  • Verantwortung im kleinen Rahmen übernehmen

  • eigene Erfahrungen sammeln

  • stolz auf ihre Fortschritte sein

Die Verantwortung für das große Ganze bleibt jedoch immer bei den Erwachsenen.

Das ist kein Zeichen von Misstrauen gegenüber dem Kind. Es ist ein Zeichen von Fürsorge – gegenüber dem Kind und dem Pferd.

Was Eltern konkret fragen dürfen

Viele Eltern spüren intuitiv, ob sich ein Angebot gut anfühlt – und trauen sich trotzdem nicht immer, nachzufragen. Dabei sind Fragen kein Zeichen von Misstrauen, sondern von Verantwortung.

Gerade beim Reiten mit Kindern dürfen (und sollten) Eltern sich ein Bild davon machen, wie gearbeitet wird – nicht nur, mit welchen Begriffen geworben wird.

Hilfreiche Fragen können zum Beispiel sein:

  • Wer übernimmt die Verantwortung, wenn eine Situation unsicher wird?
    Gibt es klare Erwachsene, die eingreifen, bevor etwas kippt?

  • Wie werden die Kinder angeleitet?
    Bekommen sie klare, verständliche Erklärungen – oder sollen sie vieles allein „herausfinden“?

    • Das hängt übrigens oft auch davon ab, in welcher Unterrichtsform gearbeitet wird.
      Ob Kinder einzeln begleitet werden oder im sogenannten Abteilungsreiten „mitlaufen“, macht einen großen Unterschied – für Sicherheit, Lernerfolg und die Beziehung zum Pferd. Hierzu habe ich auch einen Blogartikel – lies gern hier  Abteilungsreiten mit Kindern – sinnvoll oder problematisch?

  • Wie wird auf die Pferde geachtet?
    Gibt es feste Abläufe, Pausen und klare Regeln im Umgang mit den Tieren?

  • Wie viel Selbstständigkeit ist hier sinnvoll – und wo gibt es klare Grenzen?
    Können Erwachsene erklären, warum manche Dinge geführt werden müssen?

  • Wie wird mit Unsicherheit oder Angst umgegangen – beim Kind und beim Pferd?
    Wird Druck gemacht oder wird begleitet?

An guten Angeboten merkst du meist schnell: Diese Fragen werden nicht als störend empfunden. Im Gegenteil – sie werden ruhig, transparent und nachvollziehbar beantwortet.

Denn wer verantwortungsvoll mit Kindern und Pferden arbeitet, hat nichts zu verbergen. Klare Antworten schaffen Vertrauen – für Eltern, Kinder und Tiere gleichermaßen.

Gute Angebote, wie „Montessori Reiten für Kinder“ brauchen mehr als schöne Begriffe

Pädagogische Begriffe können Orientierung geben – aber sie ersetzen keine Verantwortung.

Beim Reiten mit Kindern zählen am Ende nicht die Schlagworte, sondern das, was im Alltag wirklich gelebt wird:

  • klare Führung

  • Erfahrung

  • ein sicherer Rahmen

  • Respekt vor dem Kind und vor dem Pferd

Eltern dürfen darauf achten, wie ein Angebot umgesetzt wird, wie mit Unsicherheit umgegangen wird und wer die Verantwortung trägt, wenn es darauf ankommt.

Denn gutes Reitenlernen entsteht nicht dadurch, dass Kinder alles selbst machen müssen – sondern dadurch, dass sie sicher begleitet werden.

Wenn du dein Bauchgefühl mit konkreten Fragen untermauern möchtest, habe ich dafür eine kleine Unterstützung zusammengestellt:

Die 10 wichtigsten Fragen, die du einen Stallbetreiber fragen solltest, bevor du dein Kind anmeldest

Diese Fragen helfen dir dabei,

  • Angebote besser einzuschätzen

  • Unterschiede zu erkennen

  • und eine Entscheidung zu treffen, bei der du dich wirklich sicher fühlst

Du kannst die Fragen ganz unkompliziert als PDF herunterladen und zu Gesprächen mitnehmen – oder sie für dich als Gedankenstütze nutzen.

Trage dich dazu einfach hier unter dem Blogbeitrag ein, du erhältst das PDF an direkt in deinen E-Mail-Posteingang. 

Denn gute Entscheidungen entstehen dort, wo Information auf Bauchgefühl trifft.

Deine Marina

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